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Ortschaftsrat will Container-Dorf auf Leutesheimer Festplatz um jeden Preis vermeiden

»Das ist keine dezentrale Unterbringung, das ist ein Ghetto«: Die Leutesheimer wollen ein Containerdorf für Flüchtlinge um jeden Preis vermeiden. Wenn‘s sein muss, soll sogar ihr Rathaus als Asylheim herhalten.


Von Antje Ritzert


Kehl-Leutesheim. Da haben sich die Planer aus Kehl und dem Landratsamt vermutlich voll ins Fettnäpfchen gesetzt: Ausgerechnet auf dem „Parkplatz am Sportplatz“ wollen sie eine Containeranlage für 84 Flüchtlinge bauen. „Das ist kein Parkplatz“, ärgerte sich Leutesheims Ortsvorsteher Heinz Faulhaber auf der jüngsten Ratssitzung am Montagabend. „Das ist unser Festplatz.“ Dieses Gelände sei der denkbar ungünstigste Platz für ein Containerdorf überhaupt: „Dort kann keine Integration gelingen“, ist sich der „Litzemer“ Rathaus-Chef sicher.
Das Areal vor der Leutesheimer Mehrzweckhalle ist quasi der kulturelle Mittelpunkt des Dorfes. Im großen Zelt wird musiziert, getanzt, gegessen und getrunken. „Das würde die Integration nicht gerade fördern, wenn das kulturelle Leben in Litze wegen der Container zum Teil flachfällt“, sagte Ottmar Schneider. Wie er gehen auch die anderen Ratsmitglieder davon aus, dass eine Containeranlage an diesem Standort eine „negative Grundstimmung“ im Dorf verbreiten würde.

Ortsvorsteher Heinz Faulhaber kritisiert zudem die städtische Flüchtlingspolitik: „So eine große Menge an Flüchtlingen ist für Leutesheim nicht mehr dezentral, sondern ein Ghetto.“  Laut Verteilerschlüssel muss jede Kommune so viele Asylsuchende aufnehmen, dass deren Anzahl 2,5 Prozent der Einwohner entspricht. Für Leutesheim würde das 35 Flüchtlinge bedeuten. „Ich verstehe nicht, warum wir so überproportional viele aufnehmen sollen“, sagte Faulhaber.

Das ist aber nicht die einzige Frage, die sich der Ortschaftsrat am Montagabend stellte. Man wolle zum Beispiel wissen, wie sich das Landratsamt die Betreuung der Flüchtlinge vorstelle. „Der Betreuungsfaktor ist einer der wichtigsten, dass Integration überhaupt gelingen kann“, sagte Heinz Faulhaber. Das Gremium monierte zudem, dass es schwierig sei, alternative Standorte für die Container vorzuschlagen, wenn man die Rahmenbedingungen nicht kenne.

Faulhaber persönlich wäre es am liebsten, wenn er die Asylsuchenden in kleinen Einheiten wie Wohnungen oder Häuser unterbringen könnte. Sein Aufruf im Leutesheimer Mitteilungsblatt, Mietobjekte anzubieten, blieb allerdings bislang erfolglos. „Wenn sich dadurch eine Containeranlage vermeiden lässt, kann ich mir sogar vorstellen, das Rathaus als Unterkunft anzubieten“, sagte Faulhaber. Mit einigen Umbaumaßnahmen könne man hier 150 Quadratmeter Wohnraum schaffen.

Geeignete Flächen für ein Containerdorf sieht Faulhaber derweil am Ortsausgang Richtung Honau, linkerhand hinter dem kleinen Wäldchen, das an die Aussegnungshalle grenzt. Auch ein kleines Feld hinter der Mehrzweckhalle am Weg zum Schützenhaus und eine Grünfläche neben dem „Milchhiesl“ in der Ortsmitte brachte Faulhaber ins Gespräch. Die Diskussion um mögliche Alternativ-Standorte brach der Ortschaftsrat aber schließlich wegen des unzureichenden Wissensstands ab. Im Beschluss heißt es nun, dass das Gremium ausdrücklich nicht die Aufnahme von Flüchtlingen, dafür aber den Festplatz als Standort für ein Containerdorf ablehnt. Man warte jetzt auf Aufklärung seitens der Stadt. Erst dann will sich der Ortschaftsrat wieder mit dem Thema befassen.



»Das ist kein Parkplatz, das ist unser Festplatz«: Der Leutesheimer Ortschaftsrat sprach sich gegen ein Containerdorf für Flüchtlinge auf dem asphaltierten Gelände vor der Mehrzweckhalle aus.. Fotos: Marco Karch, fotolia.de/Glaser; Montage: Marco Karch